Zwei Jahre Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Die Stiftung und ihr Senkrechtstart

Stifterforum 2015, (v.l.) Jürgen Thumann (Vorstandsvorsitzender), Breido Graf zu Rantzau (Vorstandsmitglied) und Karl-Heinz Groß (Vorstandsmitglied)_ Foto Janne Bugtrup

Die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport ist noch im frühen Kindesalter. 2013 gegründet, 2014 in ihrem ersten aktiven Jahr und jetzt gerade einmal zwei Jahre jung. Trotz ihres jungen Alters arbeitet sie schon sehr gezielt und energisch auf ihre Erfolge hin: Von der Einführung des ‚Deutschlands U25-Springpokals’, der Vergabe von Stipendien, der Unterstützung der Ponyfahrer bei der WM-Generalprobe, dem ersten disziplinübergreifenden Trainerkongress, der Sicherung des Galoppierbergs bis hin zu einem Maßnahmenpaket rund um das Thema Sicherheit.

„Allen, die den Mut hatten, diese Stiftung aus der Taufe zu heben und zu unterstützen, möchte ich sehr herzlich danken“, betont Breido Graf zu Rantzau, Vorstandsmitglied der Stiftung und Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN). „Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen weiter diesen erfolgreichen Weg für die Pferde und den Pferdesport zu gehen.“

Ein Hauptaugenmerk der Stiftung liegt auf der Förderung des Nachwuchses. Seit mehr als 100 Jahren treten Pferdesportler bei Olympia an, Deutschland führt den olympischen Medaillenspiegel in beeindruckender Weise an: mit 39 Goldmedaillen, 21 Silber- und 24 Bronzemedaillen. Aber die Konkurrenz wächst, der Weg an die Spitze wird immer steiniger. Um die Spitzenstellung der deutschen Pferdesportler auch in Zukunft zu ermöglichen, stellt die Stiftung Mittel zur Verfügung. Gezielt sollen damit junge Pferdesportler auf ihrem Weg an die internationale Spitze unterstützt werden.

U25-Springpokal

Das erste große Projekt der Stiftung galt mit dem U25-Springpokal Deutschlands besten Nachwuchsreitern im Parcours. Im Premierenjahr 2014 hat der U25-Springpokal, den die Stiftung zusammen mit Familie Müter finanziell auf die Beine gestellt hat, 33 herausragenden Nachwuchsreitern die Chance gegeben, sich auf großen Turnieren zu präsentieren und untereinander zu messen. Den Ausgewählten wurde Betreuung durch die Bundestrainer ermöglicht, die besten U25-Reiter wurden in einem speziellen Lehrgang gefördert und der erste Final-Sieger des Springpokals, Denis Nielsen, erhielt einen Startplatz beim CHIO in Aachen. Beim ersten Einreiten in das große Stadion habe er gewaltig schlucken müssen, hat er danach erzählt, aber dann hat der junge Nielsen das Allerbeste aus seiner Chance gemacht. Von neun Starts in der Soers war er siebenmal platziert und hat eine Prüfung gewonnen. Ein Jahr später hat er all seine Erfahrungen in eine Waagschale geworfen und sich seinen ersten Einzeltitel gesichert: Deutscher Meister der Springreiter 2015! Erfolgreicher kann ein Projekt nicht zum Greifen kommen.

2015 wurde die Serie bereits auf fünf Stationen ausgeweitet. Das Finale findet im Rahmen der Europameisterschaften in Aachen statt, direkt vor der Entscheidung um die Einzelmedaillen.

Stipendien in den drei olympischen Disziplinen

In diesem Jahr hat die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport erstmals Stipendien an Nachwuchsreiter in den drei olympischen Pferdesportdisziplinen vergeben. „Hauptintention dieser Stipendien ist, dass die Nachwuchssportler von den Besten lernen sollen und zwar in puncto Training, Stallmanagement und allem, was dazu gehört“, betont Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). Es gehe hierbei nicht ‚nur’ um kurzzeitige Erfolge im Training, sondern um nachhaltiges Lernen, ergänzt Peiler. „Optimal wäre natürlich, wenn sich über die Stipendien hinaus, Kooperationen oder Patenschaften bilden würden.“

Insgesamt wurden pro Disziplin je drei Stipendiaten von den jeweiligen Bundestrainern ausgewählt. Im Springen sind die Auserwählten Angelina Herröder (Büttelborn), Maximilian Lill (Antdorf) und Niklas Krieg (Villingen-Schwenningen). In der Dressur hat Cheftrainerin Monica Theodorescu alle drei Stipendiaten selbst unter ihre Fittiche genommen. Die Zwillinge Ellen und Leonie Richter (Bad Essen) und Bianca Nowag (Ostbevern) fahren nun regelmäßig zum Training zu Theodorescu.

„Absolute Spitze!“, nennt der Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Hans Melzer, das Stipendien-Projekt. Niklas Bschorer (Dinkelsbühl), Claas-Hermann Romeike (Nübbel) und Christoph Wahler (Bad Bevensen) wurden in der Vielseitigkeit ausgewählt. Alle werden zum zweiten Teil des Bundestrainer-Duos, zu Chris Bartle, nach England gehen und dort vier bis sechs Wochen bleiben. „Die Tipps von Chris im Training und bei den Turnieren, das ist das eine“, erklärt Melzer. „Das andere ist, dass in England Topreiter aus aller Welt stationiert sind. Auf die treffen unsere Nachwuchsreiter auf den Turnieren – und hängen sie vielleicht auch mal ab. Das bringt Erfahrung und stärkt enorm das Selbstvertrauen!“

Pferdesport in seiner Gesamtheit

„Auch wenn der Springsport im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht: Wir wollen unsere Aktivitäten auf den Pferdesport in seiner Gesamtheit beziehen“, erklärt zu Rantzau. So waren u.a. die Unterstützung der Ponyfahrer bei der WM-Generalprobe und der erste disziplinübergreifende Trainerkongress des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei weitere Projekte im ersten aktiven Jahr der Stiftung. „Die Trainer sind es, die die Weichen im Sport stellen. Erfahrungen austauschen, neue Perspektiven aufzeigen und modernes Wissen vermitteln – das sind wichtige Aspekte für die Trainer und damit für den gesamten Sport. Die Resonanz auf diesen ersten Kongress war enorm positiv“, freut sich zu Rantzau. Anfang dieses Jahres konnte die Stiftung mit Hilfe von Nikolaus Prinz von Croy außerdem einen Trainingsberg für die Vielseitigkeitsreiter in der Nähe von Warendorf sichern. 800 Meter im Bergauf – das ist optimal um Pferde konditionell auf den Punkt zu bringen.

Mit ‚Sicherheit’ zum Erfolg

Förderung der Jugend, Sicherung der deutschen Spitzenposition, Unterstützung verschiedener Disziplinen – allen Gesichtspunkten des Pferdesports liegt ein gemeinsames Thema zugrunde. „ Zentraler Ausgangspunkt bei unserer Fördertätigkeit ist für uns immer und in jeder Hinsicht erst einmal ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Lebewesen Pferd und auch mit den Reitern bzw. den Fahrern und Voltigieren“, legt Nadine Terhorst, Geschäftsführerin der Stiftung, dar. „Auch auf dem Weg zu Spitzenleistungen muss immer die Sicherheit von Pferd und Reiter im Vordergrund stehen.“ Mit dem Maßnahmenpaket ‚Mit Sicherheit besser reiten’ unterstützt die Stiftung deshalb die Entwicklung und das Testen neuer Sicherheitshindernisse in der Vielseitigkeit. „Ein großer Teil der von uns zur Verfügung gestellten Mittel geht zudem auch in andere Bereiche, wie z.B. in die Forschung und Entwicklung, um neue Erkenntnisse im Bereich der Unfallverhütung zu gewinnen und diese dann in die Sportpraxis zu transferieren.“

Mit Sicherheit zu Spitzenleistungen – dafür engagiert sich die noch junge Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport und auf diesem Weg hat sie in ihren ersten beiden Jahren einen Senkrechtstart hingelegt.
(Kim Kreling)